Lovosice 2020

27.08.2020 | aht

Das war ein Wettkampfwochenende, von dem die Teilnehmer dieser Meisterschaft noch lange schwärmen werden. Der Weg führte sie nach Lovosice, gelegen an der Elbe im böhmischen Mittelgebirge am Fuße des 570 m hohen Berges Lovos.

Denn vom Freitag, den 14. August bis einschließlich zum Sonntag, dem 16. August fanden hier – initiiert von Lokalmatador Jaroslav Smely – nunmehr zum bereits dritten Mal ein europaoffenes Senioren-Meeting in der Leichtathletik (MAELO 2020) statt.

Und 307 Athleten aus 25 Ländern und 3 Erdteilen (Asien, Afrika und Europa) kamen. Darunter auch 13 Aktive von den Sportfreunden Neukieritzsch.

Unter Einhaltung der auch in Tschechien geltenden Hygieneregeln maßen sich die Aktiven in den unterschiedlichsten Disziplinen.

Freitag, den 14. August 2020

Am Freitagabend, unmittelbar nach ihrer Anreise, hatten die Keller-Zwillinge Jana und Ina ihre „ersten Auftritte auf dem Platz“. Jana hatte die 10.000 m auf ihrem Tagesplan stehen. Sie absolvierte diese Distanz in neuer persönlicher Bestleistung von 51:55,66 min und sicherte sich damit den ersten Platz in der W 45.

Ihre Zwillingsschwester Ina hatte für das 3.000 m Bahngehen gemeldet. Sie bestritt diese Distanz bei Regen in 19:05,93 min und landete mit diesem Resultat letztlich auf Rang 4.

Spät wurde es an diesem Freitagabend und so suchten sicher alle Aktiven – nicht nur die erststartenden „Kellis“ ihre Zimmer in dem dem Sportplatz angrenzenden wahrscheinlich ehemaligen Sportinternat auf und erholten sich von der teilweise doch längeren Fahrt und den Wettkampfstrapazen.

Samstag, den 15. August

Der Lovosicer Sportplatz bot im mittigen Rasenteil mit seinen vielen Bäumen den Aktiven viel Raum von den Strapazen zu entspannen, am Rande sorgten Caterer-Stände für das leibliche Wohl.

Das Wetter hatte ja bislang keine guten Prognosen zu verzeichnen. Laut Wetterbericht sollte es sowohl am Freitagnachmittag und Abend als auch den ganzen Samstag lange und ausgiebig regnen oder gewittern, aber es blieb bei moderaten kürzeren Regenschauern und Donnergrollen aus der Ferne.

Zum Glück für die Athleten, denn sonst hätte man Probleme mit dem ohnehin sehr prall gefüllten Zeitplan für den Samstag und Sonntag bekommen.

Simone Zimmerling ging in der AK W 40 an den Start. Sie bestritt ihre gemeldete Disziplin – die 5.000 m in neuer Jahresbestleistung von 28:11,19 min und sicherte sich damit Bronze.

Ihre Namensvetterin Simone Greulich (AK W 45) hatte an diesem Tag des zum Glück nicht ganz so schweißtreibend heißen Wochenendes 4 Disziplinen zu absolvieren.

Die 100 m bestritt sie in 15,73 s.

Im Dreisprung erzielte Simone 8,26 m – eine neue persönliche Bestweite, die der Böhlenerin die Bronzemedaille in der W 45 bescherte.

Silber erkämpfte sie sich mit 20,17 m im Diskuswerfen – ebenfalls Bestleistung.

Den Speer warf sie auf 13,97 s (4. Platz).

Jana Keller, in der gleichen Altersklasse unterwegs, hatte sage und schreibe 7 Disziplinen vor sich. Im Hammer- sowie im Diskuswerfen sicherte sich die Krankenschwester mit 14,94 m bzw. Bestleistung von 20,51 m jeweils die Goldmedaille.

Gleiches gelang der ehrgeizigen Athletin über 2.000 m Hindernis, wo sie nach 11:19,50 min (BL) die Ziellinie überquerte.

Silber durfte sie über 1.500 m in 6:50,43 min (Bestleistung) entgegennehmen.

Den Medaillensatz komplett machte an diesem Samstag Janas Speerwurfresultat von 19,91 m – eine Jahresbestleistung, mit der sie Bronze holte.

Und während sie im Dreisprung mit 6,94 m den vierten Platz belegte, blieb sie im Stabhochsprung leider ohne gültigen Versuch.

Ihre Zwillingsschwester Ina ging an diesem 15. August über 5.000 m an den Start.

Mit 26:16,82 min wurde sie letztlich Vierte.

Für alle ausgeschriebenen Wurfdisziplinen dieser Meisterschaften hatte Andrea Lange
(W 50) gemeldet. Gleich aufs oberste Treppchen des Siegerpodestes durfte sie sich dann für ihr Hammerwurfresultat von 24,18 m steigen, womit sie gleichzeitig eine neue Bestleistung aufstellte.

Silber erlangte Andrea mit dem Speer, den sie auf 21,85 m warf. Ihren eigenen vollständigen Medaillensatz komplettierte sie mit 18,84 m im Diskuswerfen, was ihr Bronze einbrachte.

Gleichfalls in der W 50 unterwegs war Katrin Sparborth.

Einen neuen Kreisrekord und den Sieg erkämpfte sich die Bornaerin über 2.000 m Hindernis, wo sie nach 9:46,43 min ins Ziel kam. Mit starkem Endspurt gewann sie den gesamten Lauf in allen Altersklassen.

Zudem übersprintete Katrin die 300 m Hürden in 63,69 s, womit sie eine neue Bestleistung aufstellte und damit die Silbermedaille erhielt.

Ines Mikoleiczik „bediente“ in Lovosice alle Wurfdisziplinen. Sie zeigte der Konkurrenz in der W 55, das mit ihr immer zu rechnen ist.

So gewann sie mit 26,18 m nicht nur das Diskuswerfen, sondern dominierte mit 32,94 m auch das Hammerwerfen.

Rang 2 sicherte sich Ines dann mit 19,52 m mit dem Speer.

In der gleichen Altersklasse war Mandy Georgi unterwegs.

Sie stellte in Lovosice einen neuen Kreisrekord im Dreisprung mit 7,68 m auf und erkämpfte sich damit den Sieg in dieser Diszplin.

Den zweiten Rang sicherte sich Mandy mit dem Diskus, den sie auf 18,66 m beförderte.

Dieselbe Platzierung errang sie mit neuer Bestleistung von 19,80 m im Hammerwerfen.

Petra Krajan vertrat die SFN-Farben in der W 60.

Die Neukieritzscherin sprintete die 100 m in 15,43 s und durfte sich damit über die Goldmedaille freuen.

Rene Zimmerling, Jens Häckert, Wolfram Neumann und Lutz Schellenberg waren im männlichen Bereich in Lovosice am Start.

Rene (AK M 40) nahm für sein 100 m-Resultat von 13,21 s die Bronzemedaille entgegen. Mit dieser starken Leistung nach langer Trainingspause konnte er mehr als zufrieden sein.

Jens – das letzte Jahr in der M 55 „im Rennen“ – hatte die 100 m Hürden auf dem Tagesplan. Mit 20,27 s holte er Silber.

Die gleiche Platzierung scherte er sich mit 1,80 m im Stabhochsprung.

Mit dem Speer und 30,09 m kam er auf Rang 6 (neue Jahresbestleistung).

Wolfram Neumann (M 65) bestritt an diesem Samstag die 1.500 m. Mit 6:09,96 min holte er sich den Sieg. Eine beachtliche Leistung.

Wurfstärke zeichnet Lutz Schellenberg (M 65) aus.

Er beförderte den Speer auf 35,13 m und erkämpfte sich damit die Goldmedaille.

Rang 4 bescherte ihm sein Hammerwurfergebnis von 31,31 m, für ihn eine neue Jahresbestleistung.

Am Abend trafen sich alle zu einem gemeinsamen Abendessen in einem Lovosicer Biergarten und ließen den Abend bei gutem Essen und angeregten Gesprächen ausklingen.

Sonntag, den 16. August 2020

Auch der letzte Wettkampftag verlief für die Deutzenerin Jana Keller ganz nach ihren Vorstellungen. Mit neuer Bestweite von 6,10 m holte sie sich Silber im Gewichtwerfen. Die Kugel stieß sie auf 6,46 m, was ihr Platz 3 einbrachte.

Ina Keller lief an diesem Sonntag einen hervorragenden Halbmarathon. In persönlicher Bestzeit von 2:05:15 h erkämpfte sie sich damit den Sieg in der W 45. Kleiner Wermutstropfen dabei – sie verfehlte eine noch bessere Zeit, da sie sich einmal verlief.

Simone Greulich wurde im Weitsprung mit 3,52 m Sechste in der Altersklasse W 45.

Große Freude bei Andrea Lange, die in der AK W 50 das Gewichtwerfen mit 10,15 m zu ihren Gunsten entscheiden konnte. Damit stellte die Groitzscherin auch eine neue Bestleistung auf.

Bronze erkämpfte sich Andrea dann mit ihrem Kugelstoßergebnis von 8,55 m.

Katrin Sparborth musste an diesem Sonntag den Halbmarathon absolvieren, dessen Strecke durch teilweise total sonnendurchflutetes heißes Areal führte. Sie schaffte diese Distanz in neuer Bestzeit von 2:04,42 min.

Weitsprung, Kugelstoßen und Gewichtwerfen standen bei Mandy Georgi an.

Im Weitsprung gelangen der Zwenkauerin 3,61 m, eine neue Altersklassen-Bestleistung, mit der sie sich Rang 2 sichern konnte.

Gleiches gelang ihr im Kugelstoßen, wo sie auf 8,16 m kam. Einen Hattrik im „Einheimsen von Silbermedaillen“ erreichte Mandy dann mit ihrem Gewichtwurfergebnis von 8,67 m.

Nicht ganz so zufrieden war Ines Mikoleiczik mit ihrer Leistung im Gewichtwerfen an diesem Tag. Denn verletzungsbedingt konnte sie nicht die gewohnte Leistungsstärke abrufen, machte „ihre Sache“ aber dennoch mehr als ordentlich.

Und so ließ sie die Konkurrenz „im Regen stehen“, im Gewichtwerfen ohne Drehung mit 10,22 m bzw. im Kugelstoßen mit neuer Jahresbestweite von 9,18 m.

Drei Einzeldisziplinen hatte Petra Krajan zu absolvieren.

Sie stellte mit ihrer Zeit von 33,05 m einen neuen Kreisrekord in der W 60 auf und wurde dafür mit der Goldmedaille belohnt.

Im Weitsprung kam sie mit sehr starken 3,98 m auf eine neue Jahresbestweite und holte sich Silber.

Dasselbe gelang ihr mit 7,74 m im Kugelstoßen.

Für Weitsprung und 200 m hatte Rene Zimmerling gemeldet. Beide Male erkämpfte er sich hier Bronze. Über 200 m lief Renè mit 26,57 m eine neue Bestleistung. Im Weitsprung gelangen dem Neukieritzscher 4,62 m.

Jens Häckert trat an diesem 16.08. „nur noch“ im Weitsprung an.

Mit 4,24 m sicherte er sich den zweiten Rang in seiner Altersklasse.

Eine lange Strecke musste Wolfram Neumann an diesem Sonntag bestreiten. Er hatte für den Halbmarathon gemeldet und gab alles. Mit 2:00:20 h und trotz Problemen mit den schweißtreibenden Temperaturen sicherte sich Wolfram den Sieg in der M 65.

Noch drei Wurfdisziplinen standen bei Lutz Schellenberg an.

Mit 12,31 m holte er den vierten Platz im Gewichtwerfen. Eine neue Jahresbestleistung.

Den gleichen Rang sicherte sich Lutz mit 30,47 m im Diskuswerfen.

Sein Kugelstoßresultat mit 9,81 m brachte ihm letztlich den fünften Platz in der M 65 ein.

Krönender Abschluss dieses wahrlich gelungenen Meetings waren die Staffeln. Neukieritzschs Athletinnen waren sowohl in der W 40 als auch in der Auswahl Sachsen in der W 55 vertreten.

Hier erfolgte eine Gesamtwertung ohne Unterteilung in Alterklassen.

Den Sieg sicherte sich die italienische Staffel mit 57,03 s. Zweite wurde die Staffel Auswahl Sachsen mit Mandy Georgi, Ulrike Hiltscher, Sigrid Böse und Petra Krajan. Sie kamen nach 62,85 s ins Ziel.

Die zweite deutsche Staffel – eigentlich eine SFN-Staffel – wurde in der Besetzung Jana Keller, Simone Greulich, Simone Zimmerling und Katrin Sparborth in 68,69 s Dritte.

Insgesamt holten die Neukieritzscher AthletInnen in Lovosice 21mal Gold, 17mal Silber und 8mal Bronze.

Dazu wurden drei neue Kreisrekorde, 11 neue persönliche Bestleistungen sowie 20 neue Altersklassen-Bestleistungen aufgestellt.

Alles in allem ein sehr gutes Ergebnis für die Leichtathleten, die auch von mitgereisten Fans angefeuert und unterstützt wurden.

Und so traten an diesem Sonntagabend alle mit Edelmetall und vielen schönen Erinnungen im Gepäck die Heimreise an.

Und eines steht schon heute fest – Lovosice – wir kommen wieder – zur nächsten Meisterschaft!

In diesem Sinne – na sledano.

Lovosice – am Rande angemerkt

Beim europa-offenen Meeting der Senioren in der Leichtathletik vom 14. bis zum 16. August 2020 gab es natürlich nach jedem abgeschlossenen Bewerb eine Siegerehrung, meist altersklassenweise.

Diese wurden von hochrangigen ehemaligen international bekannten tschechischen Leichtathleten vorgenommen.

U. a. Nahm Jarmila Kratochvilova, mittlerweile 69 Jahre jung, eine Sportlerin oberster Kategorie, die Siegerehrungen vor. Die in der Sportwelt hochgeachtete Tschechin wurde 1983 zweifache Weltmeisterin über 400 und 800 m.

Über 800 m hält sie mit 1:53,28 min bis heute den Weltrekord, den sie am 26. Juli 1983 in München lief – bis zum heutigen Tag der älteste bestehende Weltrekord in der Leichtathletik.

Beim Diskuswerfen konnten die Aktiven den Tschechen Imrich Bugar, der 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau Silber mit dem Diskus holte bzw. 1983 bei den Weltmeisterschaften Gold, quasi hautnah erleben. Die Bestleistung des heute 65jährigen lag damals bei 71,26 m.

Also auch ein bischen Hauch von Weltruhm vergangener Zeiten, die so manchen erfreute.

Denn Eingeweihte kennen wohl die Namen, haben aber diese Athleten bislang nicht persönlich getroffen. Bestimmt wurde auch das ein- oder andere Foto mit ihnen gemacht.

Und das Fan-Shirt von der Meisterschaft durfte auch mit Bildern von den beiden bedruckt werden, bei dem, der es wünschte.

Ehemaliger Silbermediallengewinner bei Olympia in Lovosice am Start

Seine Anreise war nun doch nicht ganz so weit, wie einige Mitstreiter sich das vorstellten. Denn immerhin reiste der Jamaikaner James Beckford mit dem eigenen Auto an. Statt in seiner Heimat lebt er nämlich seit gut fünf Jahren in Deutschland, genauer gesagt in Bayern.

Aufgrund sehr vieler Wettkampfausfälle in diesem Jahr entschloss sich Beckford, der vor Ort selbstredend für sein Heimatland Jamaika an den Start ging, zur Teilnahme an dem europa-offenen Meeting in der Senioren-Leichtathletik vom 14. bis 16. August im tschechischen Lovosice.

Der nunmehr 45jährige Weit- und Dreispringer ging bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta im Weitsprung an den Start und holte – nur abgefangen vom großen Carl Lewis – Silber.

Seine Bestleistungen lagen im Dreisprung bei 17,92 m, was ihm Platz 7 in der ewigen Weltrangliste einbrachte und im Weitsprung bei 8,67 – gesprungen im Jahr 1997.

Beckford, 2facher Vizweltmeister, gewann in Lovosice den Weitsprung in der M 45 mit 6,67 m.

Hinweis des Administrators
Auf die Einbindung von Bildmaterial wurde aus aktuellen Gründen verzichtet.
Ich bitte um euer Verständnis. Dankeschön

▲ Zum Seitenanfang springen